Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow:
„Ich bin sehr beeindruckt von der unternehmerischen und menschlichen Vielfalt, die mir hier bei AKEE begegnet ist“.

Bodo Ramelow wurde am 16. Februar 1956 in Osterholz-Scharmbeck geboren, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Er ist ein deutscher Politiker und ehemaliger Gewerkschafter. Seit dem 5. Dezember 2014 ist er Ministerpräsident des Freistaates Thüringen. Zuvor war er von 2001 bis 2005 sowie von 2009 bis 2014 als Fraktionsvorsitzender der Linken Oppositionsführer im Thüringer Landtag. Von 2005 bis 2009 war er Mitglied des Bundestags. Bodo Ramelow hat an der Mitgliederversammlung von AKEE teilgenommen. In einem Gespräch erzählt er uns von seinen Eindrücken.

Reporter: Leylan Uca

Herr Ministerpräsident Ramelow, Sie haben an der Mitgliederversammlung des kurdischen Unternehmerverbandes AKEE teilgenommen. Mit welchem Gedanken haben Sie heute an der Veranstaltung teilgenommen?
Ich bin sehr beeindruckt von der unternehmerischen und menschlichen Vielfalt, die mir hier begegnet ist. Die Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich im AKEE zusammengeschlossen haben, repräsentieren sicher einen guten Querschnitt der kurdischen Community in Europa.

Wie waren Ihre Eindrücke vom Verband?
Nun, meine Begegnung war sicher zu kurz, um ein vollständiges Bild erhalten zu haben. Aber ich denke, dass der Verband einen hervorragenden Beitrag leistet, Kurdinnen und Kurden zu unterstützen auf ihrem Weg in Selbständigkeit. Ein wichtiger Aspekt dabei ist das Bilden von Netzwerken und ich meine das in sehr positivem Sinne. Es geht darum, sich gegenseitig zu beraten, zu unterstützen, Partnerschaften zu bilden. Manche sind schon seit Jahrzehnten unternehmerisch tätig, andere erst seit kurzem. Da kann ein Verband, wie der AKEE einen wichtigen Beitrag leisten, solche Partnerschaften und Netzwerke zu begleiten.

Viele Kurden sind in den 70’igern nach Deutschland zugewandert und aus eigener Kraft zum erfolgreichen Unternehmer geworden. Viele hatten es allerdings in der Vergangenheit aufgrund des fehlenden Bekanntheitsgrades der Community nicht leicht. Wie beurteilen Sie das?
Im Moment erleben wir in Deutschland eine Debatte über die Frage: Welcher Diskriminierung sind Migrantinnen und Migranten bei uns begegnet. Wie stark diese Erlebnisse Menschen prägen, die allein wegen ihres Namens auf Ablehnung stoßen, ist sicher leicht nachzuvollziehen. Was für den normalen Alltag gilt, das gilt erst recht für den Bereich der Wirtschaft. Oh, jetzt bauen diese Leute eigene Unternehmen auf, machen sich selbständig und sind auch noch erfolgreich und zwar nicht nur mit der klassischen Dönerbude. Es gibt heute Bauunternehmen, Einzelhändler, Pflegedienste, die von Migrantinnen und Migranten gegründet wurden. Es ist Zeit, dass wir in Deutschland das als Chance für unsere eigene Entwicklung begreifen und verstehen.

Unter anderem gehört zu AKEE’s Zielen, den festen Bestandteil der Gesellschaft und der Volkwirtschaft im europäischen Raum aufzubauen und zu erweitern. Welche Möglichkeiten bieten sich Ihrer Meinung nach hierfür für kurdische Unternehmer?
Ich denke, dass die kurdischen Unternehmerinnen und Unternehmer ganz selbstbewusst agieren können und müssen. Sie haben einen großen Vorteil. Sie leben und arbeiten in Europa, Sie sind Bestandteil und geachtete Mitglieder der demokratischen Gesellschaft Europas. Gleichzeitig sind Sie verwurzelt und verbunden mit einer Region an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien, in der historisch verschiedene Kulturen und Religionen beheimatet sind und ihr Zusammenleben organisieren. Damit haben Sie einen viel einfacheren Zugang zu anderen Regionen. Das sollten Sie für sich und Ihre Arbeit nutzen.

AKEE versteht sich auch als Botschafter der Menschen aus den Heimatregionen ihrer Mitglieder. Wie Sie selber wissen, hat sich die Wirtschaftslage in den Herkunftsländern der Unternehmer drastisch verschlechtert. Was können Sie diesbezüglich sagen?
Ich bin kein Ökonom, deswegen kann ich nur sehr oberflächlich beurteilen, worin die derzeit schwierige ökonomische Lage in der Türkei begründet ist. Natürlich spielt eine Rolle, dass die türkische Regierung auch in der Wirtschaftspolitik immer rigider agiert. Wer ein Wirtschaftssystem nach dem Motto aufbaut: „Mein eigener Vorteil ist mir am wichtigsten“, der wird nicht erfolgreich sein. Und wirtschaftliches Engagement braucht stabile und sicherer politische Rahmenbedingungen, die es in der Türkei im Moment nicht gibt. Im Gegenteil: Viele Menschen werden verfolgt, sind inhaftiert oder leben unter permanenter Bedrohung. Ingenieure, Hochschullehrer… verlassen das Land. Das kann nicht gut sein und natürlich behindern auch die schlechten Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union eine gute wirtschaftliche Entwicklung.

Welche Möglichkeiten bieten sich, um die Wirtschaft dort zu fördern?
Im Moment bin ich skeptisch. Es geht zunächst darum, dass die demokratischen Verhältnisse in der Türkei wiederhergestellt werden, dass Presse- und Meinungsfreiheit gesichert wird und die politischen Gefangenen freigelassen werden. Das sind notwendige Bedingungen um darüber zu reden, wie wir die Türkei auch ökonomisch unterstützen können.

Natürlich sind sowohl die Wirtschaftssituation vor Ort als auch die Lebensbedingungen so zerstückelt, dass viele der dort lebenden Menschen keine Zukunft mehr dort sehen und nach Europa flüchten. Wie könnte und sollte 1. der Unternehmerverband eine Brücke zwischen dort und Europa bauen? 2. welche Rolle würden Sie zur Unterstützung von AKEE als thüringischer Ministerpräsident übernehmen?
Ich denke, dass sich der AKEE darauf konzentrieren sollte, dass seine Mitglieder sich aus ihrer eigenen Geschichte und ihren eigenen Erfahrungen als Integrationshelfer in Europa engagieren. Sie wissen, wie schwer es Menschen mit Migrationshintergrund haben, sie kennen die Sorgen und Nöte. Wenn Sie also als Unternehmerinnen und Unternehmern Flüchtlingen eine Perspektive bieten, ausbilden und einstellen, dann haben Sie sehr, sehr viel dafür getan, dass Integration gelingt. Und natürlich sind unternehmerische Aktivitäten, etwa in Syrien, nicht unwichtig, dass Menschen auch dort wieder eine Lebensperspektive entwickeln können. Das setzt aber zunächst das Ende des Krieges dort voraus.
Der Ministerpräsident hat nicht die Rolle einzelne Verbände zu unterstützen. Ich sehe mich in der Pflicht, in Thüringen unternehmerisches Engagement für unsere Menschen zu fördern und zu entwickeln, Wenn Mitglieder der AKEE sich in Thüringen engagieren wollen, dann bin ich gern ihr Ansprechpartner.


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